Ein Artikel von:

Jutta Neumann

Veröffentlicht am:

02.05.17

18:02 Uhr

Kinzig-Floßfahrt für die Wissenschaft

Am 29. April 2017 ging es mit dem Floß von Biberach (Schwaibacher Brücke) bis Gengenbach (Flößermuseum) – mit an Bord: Analytikausrüstung. Thomas Kipp und sein Sohn Michael vom Flößerverein Schiltach hatten mit ihrem selbst gebauten Floß Prof. Dr. Andreas Fath mitgenommen. Juri Jander (Masterstudent im Studiengang Nachhaltige Bioprozesstechnik an der Hochschule Furtwangen) war für die Wasserpumpe und die chemischen Schnelltests zuständig.

Das einzige, was die herrliche Floßfahrt trübte, war die Plastikmüllverbreitung entlang des Flusses. Die das Ufer säumenden Büsche, Sträucher und Bäume offenbaren durch ihre künstliche Zierde die Plastikausbeute eines Hochwassers. Wie in einem Rechen einer Kläranlage bleibt in dem Geäst alles hängen, was der Fluss mit sich führt. Sinkt der Wasserspiegel wieder ab, wird der Fang für jedermann sichtbar im starken Kontrast zur grünen Natur. Erschreckend ist nicht alleine die Menge, denn jeder Strauch war mit seinen Filterarmen erfolgreich, sondern die Tatsache, dass der Uferbewuchs nur die Randausläufe des Flusses filtriert und die Hauptmenge der Plastikfracht, nicht mehr sichtbar, mit der schneller fließenden Mittelströmung in den Rhein und ins Meer transportiert wurde. Das heißt der sichtbare Plastikmüll ist nur die Spitze des Eisbergs und die ist schon unübersehbar.

Was auch nicht sichtbar ist, ist die Mikroplastikfracht. Um diese zu untersuchen haben wir während der Floßfahrt 1000 Liter Kinzigwasser filtriert. Alles was in dem 10µm Edelstahlfilter hängen geblieben ist, wird nach und nach zersetzt oder abgetrennt, bis schließlich nur noch die Mikroplastikpartikel übrig bleiben, die entweder durch die Zersetzung des Plastikmülls in der Kinzig entstanden sind (sogenanntes sekundäres Mikroplastik) oder schon als mikroskopisch kleine Teilchen aus Kosmetikprodukten in unser Abwasser eingeleitet wurden (primäres Mikroplastik).

Die ersten Mess-Ergebnisse von der Kinzig

Temperatur

      9,6-10,8 °C. Je kälter umso höher die Sauerstoffaufnahmekapazität. Die Temperatur ist also Richtung Gengenbach im Tagesverlauf von 10 Uhr bis 13 Uhr um 1,2°C gestiegen.

Sauerstoffgehalt

      Bei 8,6 mg/l (erst bei 4 mg/l wird es kritisch und ein Gewässer droht zu kippen) knapp 80 % der Sauerstoffsättigung . Ein sehr guter Wert. Fische fühlen sich wohl, da genügend Sauerstoff vorhanden ist. Im Rhein bis Kehl lag der Wert bis Kehl unter 8 mg/l. Durch Verwirbelungen wird genügend Sauerstoff in die Kinzig eingetragen. Sie ist kein stehendes Gewässer.

pH-Wert

      Mit 8,5 nicht zu sauer. Pflanzen assimilieren CO2 auf und halten das Gewässer auf einem guten Niveau.

Leitfähigkeit

      Mit 120-160 µS/cm sind wenige gelöste Stoffe im Wasser und die Leitfähigkeit liegt innerhalb der Grenzen für Trinkwasser. Aufgrund des niedrigen Leitwertes unter 200 µS/cm würde man dem Wasser entschlackende Eigenschaften zuschreiben.

CSB

      6-7 mg/l (Trinkwassergrenzwert = 5), sauberer als der Rhein im Jahr 2014. Dessen Werte lagen zwischen Basel und Kehl bei 8-10 mg/l. Je höher der CSB-Wert, desto mehr organische oxidierbare Substanzen wie Medikamente befinden sich im Wasser.

Nitrat

      Der Nitratwert liegt mit 1,5 mg/l deutlich unter dem Trinkwassergrenzwert, zeigt allerdings im Vergleich zum Rhein im Bereich des Zulaufs der Kinzig (Wert 2014) höhere Werte. Im Rhein lagen die Werte deutlich unter 1 mg/l. Einerseits aufgrund des Verdünnungseffekts und anderseits ist das Düngen mit Gülle in der Landwirtschaft im Kinzigtal zu bemerken, gerade durch die vorherigen Regenereignisse. Dennoch ist dieser Wert unbedenklich im Vergleich zu den Grundwasserwerten. In das Grundwasser wird durch Düngung mehr Nitrat eingetragen als durch das Oberflächengewässer in Flüsse eingespült.

Phosphat

    Der Phosphat-Wert ist vergleichbar zu den Werten im Rhein (2014) und liegt mit 0,06 mg/l an der Nachweisgrenze des Schnelltests. Der Trinkwassergrenzwert liegt bei 6,7 mg/l deutlich höher. Der Phosphorgehalt ist aufgrund der Ausfällung in Kläranlagen teilweise so gering, dass Pflanzen wenig wachsen- ohne Phosphor ist kein Pflanzenwachstum möglich und die Lebensgrundlage für Pflanzenfresser wird dadurch knapp. Ein Grund übrigens warum die Fellchen im Bodensee nicht mehr die Größe von früheren Tagen erreichen.

Video
Und hier gibt’s ein Video von Mittelbadische Presse TV zur Floßfahrt: https://vimeo.com/215506703

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Rheines Wasser
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